Das kleine Schwarze – Traditionen

Viel zu lange habe ich diese Kategorie in meinem Blog vernachlässigt. Doch ich möchte nicht zahlreiche Artikel in Folge veröffentlichen, nur um irgendetwas in die Welt zu posaunen. In der virtuellen Welt ist es oft laut genug und viel zu oft passiert es auch mir, dass ich auf eine gelungene Überschrift hereinfalle und auf einen nichtssagenden Artikel stoße. Da möchte ich mich nicht einreihen.

Deswegen warte ich auf diese Momente, in denen mir ein Gedanke wichtig wird, sich entwickelt und eine Geschichte daraus erwächst.

Dieses Mal geht es mir um Traditionen. Komisch, dieses Wort hat in der aktuellen Zeit, in der sich so viel schnell verändert einen negativen Beigeschmack von Oldschool bekommen, oder? Dabei merke ich an mir selber, dass sie mir wieder wichtiger werden, gerade weil vieles nur noch von sehr kurzer Dauer ist.

Auch in der Hochzeitsfotografie wünschen sich viele Fotografen Paare, die die üblichen Traditionen verlassen und ihre Hochzeit ganz anders feiern. Lockerer, individueller und manchmal auch einfach abgedrehter. In diversen Blogs werden Brautpaare aufgefordert, mit Traditionen zu brechen. Ich frage mich, warum sich Tradition und Individualität unbedingt ausschließen müssen? Tun sie meiner Meinung nach auch nicht. Und Brautpaare, denen Traditionen wichtig sind, sollten sich auch ganz bewusst dafür entscheiden können – ohne sich gleich „spießig“ fühlen zu müssen. Und die Traditionen, die einem  nichts bedeuten – von denen sollte man sich ganz bewusst verabschieden.

Denn es gibt einen ganz wichtigen Unterschied! Traditionen, die man einfach weiterverfolgt, weil „man das immer so gemacht hat“ und die, die einen emotional berühren, man damit ganz persönliche Erinnerungen verbindet wie z.B. Traditionen, die es eben nur in der eigenen Familie gibt.

Wie ich ausgerechnet auf dieses Thema gestoßen bin? Das angehende Weihnachtsfest ist der Verursacher. Wir genießen diese Adventszeit, das Schlendern über Weihnachtsmärkte, die Kerzen, die im Haus brennen, der Duft von Orangen, Zimt und Tanne. Hektik verabscheue ich in dieser Zeit – vor allem die selbst verursachte. So haben wir uns entschieden, dieses Weihnachtsfest auf Geschenke zu verzichten – zumindest wir Erwachsenen. Aber ich habe bereits jetzt einen großen Weihnachtswunsch für 2017 von meiner Mutter. Er kostet kein Geld – aber viel Zeit und das Geschenk hat für mich dann mehr Wert als jeder käufliche Artikel. Ich wünsche mir ein von ihr geschriebenes Backbuch ihrer liebsten Weihnachtskekse. Mit dem ersten Keks, den ich mir von dem liebevoll arrangierten Teller nehme, beginnt für mich jedes Jahr die Weihnachtszeit. Jedes dieser süßen Verführer ist ein Kunstwerk – viele Rezepte wurden in den letzten Jahren probiert, verworfen, verändert – die Favoriten dürfen bleiben.

Bin ich nun spießig? Oldschool? Ich würde es als emotional, verbunden, familiär bezeichnen. Und mit diesen Adjektiven kann ich gut leben.

Yvonne