Wann ist Zeit für die Portraits? Vorher? Nachher? Immer? Gar nicht?

In den Gesprächen mit meinen Brautpaaren und auch in diversen Hochzeitsforen taucht immer wieder die Frage auf? Wann sollen wir Zeit für die Portraits einplanen – gibt es einen richtigen Zeitpunkt für Hochzeitsfotos?

Wenn man dann die Diskussionen verfolgt, scheint jeder ein gutes Argument für oder gegen einen bestimmten Ablauf zu haben. Und je mehr Leute ihre Meinung dazu äußern, desto verunsicherter sind oft die Paare. Deshalb möchte ich meine Gründe für die beste Einplanung der Portraits vorstellen:

Warum überhaupt…

Hochzeitsportraits? Etwa so etwas wie „im Garten stehen und sich um den Baum herum anlächeln“? Ich dachte, wir reden hier von Hochzeitsreportagen? Natürlich, aber eine Hochzeitsreportage schließt interessante und manchmal ungewöhnliche Portraits nicht aus. Warum sich also festlegen? Und wenn sie gut gemacht sind, bringen sie die Stimmung des Tages auf einen Punkt – das richtige Bild kann die Geschichte des ganzen Tages beinhalten. Da helfen Portraits ungemein. Was aber jetzt nicht heißen soll, eine Reportage wäre überflüssig… Das ganze nennt sich dann Portraitjournalismus – das Beste aus allen Welten.

Es kommt auf die Tageszeit an…

Oft liegen die Trauungstermine mittags oder auch am frühen Nachmittag. Was würde das für die Portraitaufnahmen bedeuten? Solltet Ihr der Meinung sein, dass die Portraitaufnahmen vor der Trauung gemacht werden sollen, dann würden diese am späten Vormittag nach der Brautvorbereitung  oder sogar mittags stattfinden. Ich gehe mal davon aus, es ist strahlend schönes Wetter – das wünsche ich Euch natürlich! – dann wären dies so ziemlich die ungünstigsten Lichtbedingungen für Portraits. Das Licht kommt senkrecht von oben, in den Gesichtern entstehen unschöne Schatten, das Brautpaar kneift die Augen zusammen wegen des starken Lichteinfalls, der Himmel erscheint nicht blau sondern weiß auf den Aufnahmen.

Natürlich gibt es Mittel, um diese Dinge zu vermeiden/abzumildern. Dies ist jedoch mit einem erheblichen Aufwand verbunden, der dann noch mehr Zeit für die Aufnahmen bedeutet – Zeit, die für andere Dinge an diesem Tag viel wichtiger wäre:
Ein Assistent muss her, um Reflektoren in Position zu bringen (jetzt kneift das Brautpaar die Augen noch mehr zu ;-)). Oder gar eine Blitzanlage. Blitz? In der Sonne?. Ja, gerade in und gegen die Sonne, denn jetzt könnt Ihr durch kurze Belichtungszeiten auf dem Bild hell genug erscheinen, während der Himmel dunkler und damit blau wird. Zumindest ist ein Blitz notwendig, um die Schatten im Gesicht abzumildern – und der möglichst nicht direkt von vorne, damit die Aufnahmen nicht plattgeblitz wirken. Das alles führt wiederum dazu, dass man bei den Aufnahmen nicht mehr so flexibel ist, ein Standortwechsel und sei es nur für ein paar Meter – kostet wieder Zeit, Zeit, die man an einem solchen Tag lieber anders verwenden sollte. Entspannt ist anders, das Paar wird positioniert, die Lichtanlage ausgerichtet, die Position wird korrigiert… Tja, dann geht man eben in den Schatten! Da bleiben dann oft nur noch Bäume. BÄUME? Wollen sie wirklich eines von vielen immer gleichen Baumbildern? Oft wird auch der Schattenwurf der Blätter unterschätzt – das frische Grün wird auf das Paar reflektiert, es entsteht ein fahler Hautton.

Wirklich so? Nein! Vielleicht widerstrebt mir diese Methode aus deshalb, weil ich ein Liebhaber der Hochzeitsreportage bin. Meine Aufnahmen sollen emotional und natürlich wirken, also muss ich dafür sorgen, dass das Brautpaar entspannt ist. Es muss Zeit für Emotionen da sein, nicht für die Technik.

Wer hat an der Uhr gedreht….

Auch wenn Ihr Euch wirklich viel Gedanken um die genaue Zeitplanung gemacht habt, eines kann ich Euch nach etlichen Hochzeiten garantieren: es kommt anders, als gedacht.
Die Brautvorbereitung, für die man doch eigentlich eineinhalb Stunden eingeplant hatte (das reicht doch locker!) verschiebt sich etwas, Freundinnen schauen vorbei, die Mutter möchte noch unbedingt etwas wissen, die Haare brauchen doch länger als gedacht usw… Dann schnell zu den Portraitaufnahmen – wer hätte gedacht, dass es so lange dauert mit dem Prinzessinnenkleid in dieses Auto zu kommen? – wie lange hatten wir für die Fotos geplant? Eine Stunde? Das klappt nicht mehr, 45 min. müssen reichen. Man ist aufgeregt, sieht auf die Uhr… Wie lange braucht man für die Fahrt zur Kirche? Die ersten Gäste sind bestimmt schon da…Könnt Ihr Euch vorstellen, was man dann auf den Aufnahmen sieht? Das gute technische Bild ist gerade bei Hochzeiten nichts wert ohne die Emotion. Für Modeaufnahmen gelten andere Regeln – doch was möchtet Ihr?

Die große Überraschung…

Oft erlebe ich, dass Bräute wieder zu traditionellen Bräuchen übergehen. Da wird monatelang ein richtiges Geheimnis um die Wahl des Brautkleides gemacht. Man möchte ja das überraschte Gesicht des Mannes kurz vor der Trauung erleben. Den Stolz in seinen Augen.Doch dann trifft man sich eine Stunde vor der Trauung, Zeit für intime Momente des ersten Zusammentreffens ist kaum, die Zeit drängt. Eigentlich hätte er das Kleid doch dann gleich mit aussuchen können, oder?

Perfekt für das Foto oder perfekt für das Erlebnis?

Das Kleid ist noch knitterfrei, das Make-up ist frisch – der richtige Zeitpunkt für die Fotos oder der richtige Zeitpunkt für den wirklich wichtigen Moment – die Trauung?

Lassen Sie mich raten: Ihr möchtet beides.  Doch was bedeutet das, wenn die Fotos vor der Trauung entstehen sollen? Ein wunderschöner Steg, der in den See führt, der Fotograf bittet das Brautpaar den Steg entlang zu laufen, sich zu küssen, in den Arm zu nehmen, nun noch ein paar romantische, entspannte Bilder…. sie sollen sich auf den Steg setzen. Setzen? Der Steg ist bestimmt nicht ganz sauber – ihr gut ausgewählter Fotograf hat bestimmt ein Tuch dabei und legt es darunter – doch das Kleid, es hängt doch etwas runter, ob da nicht doch etwas Schmutz rankommen könnte? Auf jeden Fall könnte es knittern..  was sollen denn die Leute denken, wenn ich die Kirche betrete mit meiner Schleppe voller Knitterfalten.

Aber Fotos nur im Stehen? Nein …

Animation oder Familienfest?

Der häufigste Grund dafür, Portraits vor der Trauung einzuplanen ist der, dass das Brautpaar sich um die Gäste sorgt. Das Brautpaar könnte vermisst werden, die Stimmung der Hochzeit könnte kippen. Vielleicht verlässt gar ein Gast ob dieser Unverschämtheit das Fest – diese absurde Drohung habe ich wirklich in einem Forum gelesen. Das hört sich eher an, als wenn jemand in seinem Cluburlaub nach dem Animateur ruft. Jetzt mal ernsthaft: die Sorge halte ich für unberechtigt.Heutzutage gibt es sie leider kaum noch, die großen Familienfeste. Feste, zu denen selbst Verwandte kommen, die eine lange Reise auf sich nehmen, um daran teilzunehmen. Hier trifft die gesamte Familie von nah und fern zusammen. Die langweilen sich bestimmt nicht.. Glaubt Ihr nicht, dass sie sich viel zu erzählen haben? Mit einem Glas Sekt in der Hand und/oder einem Stück Hochzeitstorte können auch sie das Erlebnis der Trauung mit Freunden und Verwandten teilen, in Erinnerungen schwelgen.
Ich spreche nicht davon, dass das Brautpaar stundenlang verschwinden soll.  Eine Stunde ist völlig ausreichend. Vielleicht nimmt man sich dann lieber noch einmal 20 min zu einem späteren Termin in den Abendstunden. Niemand von Euren Gästen wird später davon sprechen, dass Ihr nicht die ganze Zeit zur Verfügung standet, sondern sie werden begeistert sein, dass Ihr beide so entspannt und gut gelaunt von der Portraitsession zurückgekehrt sein und von den außergewöhnlichen Aufnahmen, die Ihr Ihnen einige Zeit später präsentieren könnt.

Endlich Zeit für sich

Unvorstellbar? Nein, das erlebe ich jedes Mal. Die Aufregung der Trauung flaut ab. Es hat alles geklappt, man spürt den Ring an seinem Finger, Verwandte und Freunde haben gratuliert, man kam kaum dazu Luft zu holen. Tut es jetzt! Fotos sind keine Pflichtveranstaltung, sie machen Spaß, sie sind auch ein intimes Erlebnis für Euch. Ihr seid an diesem Tag das erste Mal unter Euch. Der Fotograf bereitet sein Equipment vor, Ihr nehmt Euch in den Arm. Ihr seht Euch an, Ihr läuft Hand in Hand/Arm in Arm, ihr sprecht miteinander, Ihr lacht, die Emotionen des Tages spiegeln sich in euren Gesichtern wieder, das Licht des späten Nachmittags / frühen Abends zaubert einen goldenen Hautton – wie? Die Stunde ist schon vorbei?

Überzeugt?

  • decay said:

    Super Tipps, kann man nur uneingeschränkt so empfehlen.

    lg, alex

  • Freya said:

    Wunderschön beschrieben, da kommt richtig Hochzeitsstimmung auf wenn man es liest :)
    L.G.Freya