Trocknen, aufbewahren, werfen? – Brautstrauß

Momentan befinde ich mich in einem “something in between-Zustand”. Meine Brautpaare aus 2010 sind inzwischen frisch verheiratet und meine Brautpaare 2011 befinden sich inmitten ihrer Hochzeitsplanungen.

Es gibt einige Dinge, die so gut wie alle Hochzeiten gemeinsam haben: es gibt eine Braut, einen Bräutigam, meist ein zumindest größtenteils weißes Kleid, einen dunklen Anzug, viele Gäste, tolles Essen. Und trotzdem bleibt noch genügend Raum, um das Fest ganz individuell zu gestalten. Einige Traditionen werden übernommen, andere über den Haufen geworfen oder auch ein klein wenig verändert. Dass Schuhe nicht immer weiß sein müssen, dem Brautkleid auch sehr gut ein farbiges Accessoire steht, keiner einen zwingen kann unter dem Kleid weiße Strümpfe zu tragen oder überhaupt Strümpfe, dieses Selbstbewusstsein haben viele Brautpaare zum Glück. Oftmals ist hier auch ein starker Wille nötig, um sich von den eigenen Ideen nicht abbringen zu lassen, entgegen aller gut gemeinten Ratschläge von außen.

Und so erlebe ich während einer Hochzeitssaison immer wieder einmal wunderbar kreative Dinge, die einfach nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Einige davon möchte ich gerne hin und wieder mit Euch teilen. Vielleicht dienen sie ja auch als Anstoß für neue Ideen oder geben eine zusätzliche Portion Mut, die eigene Hochzeit ganz so zu gestalten, wie man selbst sie sich wünscht.

Wie der Titel schon verrät, geht es dieses Mal um Blumensträuße. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man sich nur über die Farben der gewählten Blüten Gedanken machen müsste. Jede Braut, die inmitten ihrer Vorbereitung steckt, wird natürlich schon wissen, was ich damit meine.

  • Ton in Ton – oder doch verschiedene Farben?
  • eine Blütensorte oder doch liebe romantisch, wie eine Blumenwiese?
  • üppig ausladend oder zart und zurückhaltend?
  • Passt der Stil meines Kleides, meines Festes zum Strauß?

Dies sind erst die ersten grundlegenden Fragen. Natürlich nicht zu vergessen: es gibt Blumen, bei denen der Blütenstaub entfernt werden sollte, um Flecken auf der Kleidung zu vermeiden.

Angenommen man hat ihn dann: den perfekten Brautstrauß! Nun folgen die nächsten Überlegungen:

  • möchte ich ihn gerne nach der Hochzeit aufbewahren?
  • oder sind meine Freundinnen schon ganz aufgeregt, welche von ihnen ihn wohl fangen wird?

Tipp: wenn man den Strauß werfen möchte, sich aber nur ganz schlecht von ihm trennen kann, so lässt man einfach einen kleineren identischen Strauß als Wurfstrauß anfertigen.

Nicht jeder Brautstrauß hat wirklich ideale Flugeigenschaften und auch wenn es eigentlich ganz einfach klingt, einen Strauß nach hinten zu werfen, so einfach ist das gar nicht. In den wenigstens Fällen klappt das gleich auf Anhieb. Die Realität sieht eher so aus:

Die Braut schnappt sich ein Mikrophon und fordert alle unverheirateten Freundinnen auf im wahrsten Sinne des Wortes “Stellung zu beziehen”. Meist ziert sich die eine oder andere noch etwas, doch dann ist es endlich soweit. Die Musiker sorgen für die passende Untermalung, der Fotograf/die Fotografin steht bereit, die Braut schließt die Augen holt Schwung und……… der Brautstrauß knallt gegen die Decke der Location und landet auf halbem Weg. Was nun? Noch einmal werfen? Ok, einmal ist keinmal – so ganz schön sieht der Strauß jetzt zwar nicht mehr aus, aber schließlich möchte man ihn ja “unter die Haube” bringen. Also zurück an den Start. Die Braut weiß nun: sie muss ihn viel flacher werfen und er sollte nicht wieder nur die Hälfte der Distanz schaffen. Tief Luft holen und…… viel besser. Die Flugbahn ist flacher und er fliegt mit viel Kraft, instinktiv weichen einige Freundinnen aus. Wer fängt ihn? Wer ist die nächste Braut? Alle Blicken suchen den Brautstrauß. Bis aus der letzten Reihe ein junger Mann hervortritt, der am Türeingang eigentlich nur das Geschehen verfolgen wollte. In der Hand: der Brautstrauß. Das Gelächter ist groß, der nächste Versuch wartet.

Seid beruhigt: spätestens beim dritten Versuch klappt es immer! Und für gute Stimmung hat diese Aktion allemal gesorgt.

Im August dieses Jahres habe ich auf der Hochzeit von Annika und Carsten eine wunderschöne Alternative zu einem Brautstraußwurf gesehen und die möchte ich gerne vorstellen.

Annika schilderte mir schon im Vorfeld, was sie vorhatte: Im Laufe des abends wurden lange weiße Satinbänder um den Stiel des Brautstraußes gewunden – genau so viele Bänder, wie unverheiratete Freundinnen anwesend waren. Dann stellte sich Annika in die Mitte der Tanzfläche, ihre Freundinnen bildeten einen Kreis um die Braut und jede nahm sich ein Ende eines langen Bandes. Musik spielte…. Annika und ihre Freundinnen bewegten sich im Kreis und nach und nach zog Annika ein loses Band aus dem Stiel. So lange bis nur noch ein Band übrig blieb. Im Gegensatz zu den anderen, war dies aber fest mit dem Stiel verbunden. Ich denke, das Resultat ist klar. Diejenige Freundin, die dieses Ende des Bandes in den Händen hielt bekam den immer noch schönen und unversehrten Brautstrauß.

Und für die anderen Gäste war diese Idee ein wunderschöner Anblick, der nicht in 2 Sekunden vorüber ist, sondern den man gespannt verfolgen konnte.